Wer aktuell von den fürchterlichen Nachrichten aus Teilen der Welt überwältigt wird, wird sich vielleicht nur schwer von Jesajas Zukunftsvision trösten lassen.
Mir fällt allerdings auf: Einen Ort der Bedürfnislosigkeit und vollständigen Harmonie beschreibt Jesaja keineswegs. Das Paradies in Vollendung, wie ich es mir immer vorgestellt habe, steht ihm gar nicht vor Augen.

Da ist – auch in Jesajas Zukunftsvision - ein Wolf, der Schutz sucht. Da bedürfen Gottes Geschöpfe auch weiterhin noch einander: Sie wollen nicht allein, sondern in Gemeinschaft sein. Und auch das: Sie brauchen Leitung, Führung. Ein kleiner Junge weidet Kalb und Löwe. Aber warum weiden die sich nicht einfach selbst? Offenbar geht es auch in der Utopie des Propheten nicht ohne Orientierung von außen.

Die Frage ist nur, wer ist hier Tröster und Ratgeber? Was sättigt die Seele und den Leib? Woher kommt Hilfe und Orientierung?

Wenn ich danach aufrichtig frage, höre ich meinen Herrn reden. Der beispielsweise in seiner Bergpredigt oder seiner Feldrede, die Armen beglückwünscht und die Machtlosen. Der verkündet, dass die Gefangenen frei werden und die Zerschlagenen heil. Und all das ist für ihn nicht einfach Zukunftsmusik. Nein, er vertröstet uns nicht auf das Dermaleinst im Paradies. Vielmehr behauptet er: Heute ist diese Verheißung erfüllt vor euren Ohren! (Lukas 4,21)

Obwohl damals wie heute davon nicht viel zu sehen ist: Wölfe reißen Lämmer. Löwen fressen weiter Fleisch. Diktatoren entfachen Kriege. Unrechtsregime erschrecken und morden.

Doch Jesus stellt die Welt auf den Kopf. Er lässt Jesaja nicht einen Spinner und Träumer sein. Er nimmt an dessen Visionen vielmehr Maß. Und setzt Zeichen. Setzt sich neben die Armen und die Sünder. Stellt sich den Führern seiner Zeit entgegen und vertraut auf die Macht Gottes. Schafft Heil durch Ohnmacht und Verzicht. So wurde unsere Welt verwandelt. Eingeteilt in eine Zeit vor und eine Zeit nach Christus. Seither darf sich kein Spalter mehr auf den Gott der Bibel berufen. Mit Jesu Umwertung der Welt funktioniert kein Oben und Unten mehr. Kein schwarz und weiß, wertvoll und nutzlos, gut und böse. Gott selbst hat diese menschlichen Kategorien ins Gegenteil verkehrt. Das Reich Gottes hat andere Gesetze. Sie wirken paradox. Aber sie sind nicht phantastisch. Nur wunderbar.

Ich lade ein zu einem wunderbaren Advent. Und zu einem trotzigen Vertrauen auf Gottes kommende Herrlichkeit.

 

Martin Seydlitz

 

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