1. Fachtag Kommunikation und neue Medien am 23. Juni 2018 in der EFG Herne

Der Augenblick war bezeichnend, leider hat ihn keine Kamera eingefangen: Innerhalb weniger Augenblicke gingen die Handys aller Teilnehmenden der Fachtagung hoch. Ein symbolischer Augenblick aus dem digitalen Dorf: Etwas geschieht, was wir festhalten wollen – sei es nun der Auftritt eines Rockstars oder ein lapidarer Vorfall.

 30 Teilnehmende aus der Öffentlichkeitsarbeit

Dabei hatte Christian Kuntze vom Arbeitskreis Internet nur auf einen QR-Code gezeigt, der auf die Leinwand gebeamt wurde. Und jede/r scannte den magisch wirkenden Code mit seinem Handy ein, um die Unterlagen des Tages von der Cloud des Landesverbandes herunterladen zu können.

 

Alle 30 Teilnehmende dieses Fachtages in der EFG Herne kamen aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und leben in der modernen Medienwelt. Zumindest einige Teilnehmende hatten das Gefühl, ihr Kirchen- und Gemeindeleben sei noch nicht so wirklich mit der Social-Media-Welt und mit sich selbst vernetzt. Und deshalb kamen sie an die Emscher. Hinzu kamen auch die Mitarbeitenden des Arbeitskreises Internet. Leo Schouten, Leiter des Landesverbands NRW, war als interessierter Beobachter dabei und richtete ein Grußwort ans Plenum.

In digitalen Welten anschlussfähig sein

Hella Blum, Studienleiterin Neue Medien der Evangelischen Akademie im Rheinland, hat uns mit ihrem Referat „Kirchliches Leben und digitaler Wandel“ die Augen geöffnet. Die von ihr vorgelegten Zahlen zeigen, wie groß die Schar der Social-Media-Nutzer in unserer Republik ist. Sie zitierte den Kirchenmann Ingo von Dachwitz, der in der „Zeit“ betont: „Wenn Gemeinden auch in digitalen Lebenswelten anschlussfähig sein wollen, dann funktioniert das nur über Menschen die in den sozialen Medien authentisch ihr Christsein leben …“ Und das bedeutet nichts anderes als: Wir Christen müssen dort präsent sein, wo sich die anderen tummeln. Anhand von zahlreichen prämierten Beispielen zeigte uns die Referentin, was die #digitale Kirche zu leisten vermag. Gleichzeitiger Jugendgottesdienst per Skype in einer deutschen und einer afrikanischen Gemeinde, Livestream von Gottesdiensten, Porträts von Gemeindemitgliedern in Facebook und Instagramm, virtuelle Gebetstreffen und zahlreiche andere Projekte.

Die Homepage – Visitenkarte der Gemeinde

Da ist die Visitenkarte der Gemeinde, die Homepage, schon beinahe wieder ein klassisches Medium. Und ein absolutes Muss! Und dennoch tun sich viele schwer: Mit der Technik, mit dem Design, mit dem Verfassen von textlichen, filmischen oder fotografischen Inhalten. Der Arbeitskreis Internet will weiterhelfen und bietet Webhosting, Support, Schulung und vieles andere mehr an. Entsprechend groß war das Interesse der Teilnehmer an diesem Workshop.

Pressearbeit der Kirchen

Gibt es bei vielen Gemeindemitgliedern vielleicht eine gewisse Zurückhaltung in der offenen Nutzung sozialer Medien, so trifft dies auch bei der baptistischen Selbstdarstellung in den Presse-Medien zu. Wir sind uns häufig selbst genug und erkennen nicht die Chancen einer medialen Präsenz. Um gehört zu werden, gilt dieser Appell: Sei hartnäckig, versuch es immer wieder und immer wieder! Deshalb konnte der Workshop „Pressearbeit in den Medien“, geleitet von Horst Martens, zwar handwerkliche Tipps geben (Das Wichtigste am Anfang oder Rufen sie den Chefredakteur an!), aber viel wichtiger wäre eine Änderung in der Einstellung - eine nonchalante Hinwendung zu den Pressemedien.

Inhalte effektiv vermitteln

Etwas anders sieht es bei den „Präsentationen“ aus, ein Workshop, der von Thomas Bednarz unter dem Titel „Inhalte wirksam präsentieren“ geleitet wurde. Es ging darum, Powerpoint (und andere) im Rahmen der Gottesdienstgestaltung so einzusetzen, dass die Inhalte effektiv verstärkt und pointiert dargestellt werden. Außerdem ein Thema: Bild- und Liedgutrechte. Bei Powerpoint-Präsentationen während des Gottesdienstes haben Freikirchen durchaus die Nase vorn, aber verbessern kann man sich immer. Die Präsentation soll die Predigt unterstützen. Sie ist kein Medium zur Selbstdarstellung mit allerlei Schnickschnack und technischem Firlefanz.

Wie wird die Datenschutz-Realität aussehen?

Die digitale Welt breitet sich vor uns aus wie ein bunter Kosmos von ungeahnten Möglichkeiten. Und dann taucht sie auf, die Datenschutzverordnung! Plötzlich fühlen sich medienaffine Menschen eingezwängt in ein Korsett von undurchsichtigen Verordnungen. Und dabei schützt die DSVO nicht Daten, sondern Menschen. Dagmar Tennhoff und Jonathan Schneider Paas zeigten uns, was auf die Gemeinden zukommen könnte. Sie zeichneten sich als Kenner der Materie aus und verstanden es, ein beeindruckendes Szenario zu entwerfen, in der die Datenschutzverordnung den Gemeindemitarbeitern das Leben zwar auch ein bisschen schwerer schwermacht aber gleichzeitig auch ihre Persönlichkeitsrechte schützt. Keine Fotos mehr ohne die schriftliche Erlaubnis aller Abgebildeten. Keine Veröffentlichung von Geburtstagen im Gemeindebrief. Verschließbare Gemeindefächer, damit Gemeindeverzeichnisse nicht in falsche Hände geraten. Wie wird sich die Datenschutz-Realität entwickeln? Gerichtsurteile werden uns den Weg zeigen. Es ist allerdings nicht zu befürchten, dass Baptisten unter den Verurteilten sein werden.

Sensibilisiert

Durchaus anwenden, was er auf dem Fachtag gehört und gesehen hat, kann Alexander Zeeb, Pastor der gastgebenden Herner Gemeinde: „Internet und die Social Media sind heute für viele Menschen aus ihrem beruflichen und auch privaten Alltag nicht mehr wegzudenken. Deshalb muss auch die Kirche digital unterwegs sein. Diese Erkenntnis sowie andere Aussagen haben mich sensibilisiert und herausgefordert gezielt darüber nachzudenken, wie das in unsrer Gemeindearbeit ganz konkret aussehen kann.“

Ein erster Schritt

Fazit von Andi Balsam, dem hauptamtlichen Referenten im Landesverband NRW, der die Veranstaltung organisiert hat: „Der Fachtag war ein erster Schritt dazu, dieses Thema mit interessierten Gemeinden aus dem Landesverband NRW zu besprechen und voneinander zu lernen. Das Referat von Hella Blum war inhaltlich und in der Präsentation hervorragend. Der AK Internet hat den Tag professionell durchgeführt und die Gemeinde Herne hat uns wunderbar versorgt.“

Und Organisator Christian Kuntze unterstreicht: Die Idee des Fachtages, einen intensiven Austausch zwischen Landesverband und Gemeinden außerhalb der Ratstagung zu ermöglichen, ist gut angekommen. Diese Idee wollen wir weiter verfolgen.

Soll der Fachtag Kommunikation und Neue Medien wiederholt werden? Ja. Immer wieder und so oft wie möglich. Vielleicht können sogar noch ein paar junge Nerds dafür gewonnen werden ;-)

Beachten Sie weitere Angebote aus dem Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden K.d.ö.R.

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