20180706 160045 Gemeindehaus WeltersbachVom Leiter des Pilgerheimes Weltersbach, Joachim Noss, erhielten wir folgende aktuelle Infos:

Liebe Leser,

ich denke, es ist an der Zeit, Euch eine weitere Information über das Geschehen nach dem Hochwasserereignis    vom 10.06.18 zu geben. Die Nacht vom 09. auf den 10.06. werden wir so schnell wohl nicht vergessen. Unfassbare Wassermassen liefen ab ca. 0:40 Uhr durch unser Dorf. Wie bekannt, wurden das UG im Begegnungszentrum, die Kirche mit den Gemeinschaftshallen, das Dorfcafé, das Haus Bethesda, das Haus Bethel und das Haus Siloah stark betroffen. Besonders das Wasser, das von der Höhe über Haus Bethel ins Tal strömte hat viel Schaden verursacht. Neben dem Wasser waren wir auch von Schlamm stark betroffen. In der Nacht waren etwa 160 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz im Einsatz. Als es Morgen wurde kamen immer mehr freiwillige Helfer aus Mitarbeiterschaft, Bewohnerschaft, aber auch aus der Bevölkerung hinzu. Auch die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten (Heizung, Dachdecker, Fensterbauer) waren schnell vor Ort. Die Solidarität und die Hilfsbereitschaft hat uns sehr gerührt. Die Arbeiten dauerten bis ca. 19:00 Uhr.

Ab dem nächsten Tag waren wir dann auf uns gestellt. Immer noch meldeten sich freiwillige Helfer, die kräftig mit anpackten. Weil wir ja schon am 01.06. ein Starkregenereignis mit Wassereintritt in die Häuser hatten, hatten wir im Voraus schon einen Termin mit dem Versicherer für den 11.06. vereinbart. Die Herren, die von dem neuen Ereignis noch nichts wussten, waren sehr überrascht, aber auch kooperativ und so konnten schnell Regelungen zur Schadensregulierung getroffen werden. Gott sei Dank sind wir gegen Elementarschäden am Gebäude und am Inventar versichert und haben zudem eine Betriebsunterbrechungsversicherung.

20180705 085507 Weltersbach TrocknungBodenentkernung im Gemeindesaal der EFG Weltersbach

Am Dienstag stand dann auch schon gleich eine große Mannschaft von Mitarbeitern einer Entsorgungs- und Trocknungsfirma (Fa. Sprint) auf unserem Hof. Diese Firma ist seit diesem Tag bis heute jeden Tag, zum Teil auch an Samstagen vor Ort um die Schäden zu beseitigen, Gebäude zu trocknen, Inventar zu entsorgen oder zu trocknen etc. Mit dem Bauleiter, Herrn Vogel, haben wir ein sehr gutes Einvernehmen. Es wurden Bohrungen am Estrich in den verschiedenen Häusern vorgenommen um zu prüfen, welche Böden erhalten bleiben und welche erneuert werden müssen. Die Ergebnisse erbrachten, dass der gesamte Estrich in Kirche, Gemeinschaftshalle, BZW und in einigen Räumen von Haus Bethesda entfernt und neu aufgebaut werden muss. Die anderen Böden müssen „nur" getrocknet werden. Mittlerweile stehen ca. 15 Überseecontainer auf unserem Gelände in denen Inventar gelagert wird. Die Kirche ist eine einzige Baustelle, ebenso das UG im BZW. Die Arbeiten werden sicherlich noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Immer wieder werden wir gefragt, wann denn mit einer Fertigstellung zu rechnen ist. Wir legen uns da allerdings in keinster Weise fest.


Bodentrockung im Dorfcafé

Die Gemeinde versammelt sich seit dem 17.06. zu Gottesdiensten und Bibelstunden im Gemeinschaftsraum von Haus Talblick. Dort passen etwa 100 Personen hinein. Am Nachmittag eines jeden sonntags wird der Gottesdienst dann noch einmal per Heimfunk übertragen. Die Gemeinde ist, wenn es auch sehr beengt ist, zufrieden mit der Lösung.

20180705 085507 Weltersbach TrocknungBodenentkernung im Gemeindefoyer

Im Laufe der Zeit finden sich dann immer noch Räume, die wir vorher nicht auf dem Schirm hatten, die aber auch feucht sind. So muss der Speiseraum von Haus Bethanien komplett getrocknet werden. Dazu muss er natürlich freigeräumt sein. Auf dem Parkplatz zwischen Haus Bethanien und dem Waldhaus stehen nun vier Container, die als Speiseraum dienen. Die Bewohner müssen nun immer dorthin transferiert werden. Der Weg dorthin wurde überdacht. Es ist für die Mitarbeitenden zwar mehr Aufwand, aber es klappt ganz gut. Auch das UG von Haus Bethanien ist sehr betroffen und muss saniert werden. Ebenso ist der Mitarbeiterbereich des Hauses Tiberias betroffen und wird nun getrocknet.

Insgesamt wurden 12 Bewohnerzimmer (8 in Bethel und 4 in Emmaus) evakuiert und sind derzeit nicht bewohnbar. Während zunächst einige der Bewohner in anderen Einrichtungen untergebracht waren, sind sie nun alle wieder bei uns in Weltersbach und in Zimmern untergebracht, die sonst nur schwer zu vermieten sind, oder aus einem EZ wurde vorübergehend ein DZ. Den Ausfall zahlt die Betriebsunterbrechungsversicherung.

Auch 5 Wohnungen im Haus Bethesda sind unbewohnbar. Diese Mieter sind innerhalb Weltersbachs in anderen Wohnungen untergekommen. Leider sind auch einige weitere Wohnungen im Mietbereich betroffen. So besonders am Tanneneck, in der Talstraße. Ein Haus in der Bergstraße und eine Wohnung in Haus Talblick. Auch die Friedrichshöhe hat etwas abbekommen, dort sind zwei Wohnungen betroffen. Derzeit sind wir nun dabei, für diese Mieter Unterbringungsmöglichkeiten für die Zeit des Trocknens und der Renovierung zu finden. Frau Jakobs macht da einen hervorragenden Job. Ihr könnt Euch vorstellen, dass die betroffenen Mieter psychisch sehr mitgenommen sind.

Wir sind nun täglich damit beschäftigt, irgendwelche Entscheidungen zu treffen: welche Fliesen, welche Böden, welche Tapeten, welche Möbel... Gerade Herr Pelz ist da sehr belastet. Ich staune, wie er alles im Griff hat, merke aber auch, dass er mit seinen Kräften am Ende ist. Am 27.07. fährt er in Urlaub.

Was uns noch sehr beschäftigt sind die Fragen um den zukünftigen Hochwasserschutz. Dass es jederzeit wieder zu Überflutungen kommen kann haben wir am letzten Dienstag gemerkt, als in 10 Minuten 10 Liter Wasser auf den Quadratmeter fielen. Hätte es länger geregnet, wäre es wieder zu Überschwemmungen gekommen. Noch liegen die Sandsäcke im Tal (ich kann sie bald nicht mehr sehen). In den vergangenen Wochen haben wir oft Gespräche mit Wupperverband, Umweltamt, Landwirtschaftskammer, Stadtverwaltung geführt. Dabei wurde klar, dass wir als untere Anlieger für den Hochwasserschutz selbst verantwortlich sind. Der Wupperverband hat in den letzten Tagen den Weltersbach und den Pilgerheimer Bach von Treibgut befreit, die Bachbetten verbreitert und Wälle aufgebaut. Ebenso wurde vor den Durchlässen das Bachbett ausgebaggert. Wir sind nun aufgefordert, besonders die Situation am Pilgerheimer Bach auf Hochwassersicherheit prüfen zu lassen. Dazu haben wir einem Ingenieurbüro einen Auftrag erteilt (Kostenpunkt 20.000 €). Der Pilgerheimer Bach ist nur ca. 800 m lang, fließt von den Höhen bis zum Haus Bethel, wird dann verrohrt weitergeleitet, fließt durch zwei Teiche um dann wieder verrohrt durch das Dorf bis in den Weltersbach zu fließen. Wir gehen davon aus, dass die Durchmesser der Verrohrung vergrößert werden müssen, was hohe Kosten verursachen wird. Ein weiteres Problem sind die Teiche. Der obere ist völlig verschlammt und nimmt kein Wasser mehr auf. Diesen müssen wir wohl ausbaggern lassen. Aber auf wessen Kosten. Da sprechen wir gerade mit Behörden und Verbänden. Aber, beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Da will keiner ran. Aber es kann ja auch nicht sein, dass wir Unmengen Dreck vom Nachbarn auf dem Gelände haben und ihn auch noch entsorgen müssen.

Ihr seht und lest, hier ist eine Menge los. Und das Tagesgeschäft geht weiter. Aber, wir wollen den Kopf nicht hängen lassen, sondern unsere Arbeit tun. Ich bin Gott dankbar für

-          Bewahrung in der besagten Nacht, niemand ist körperlich zu Schaden gekommen

-          Für den Zeitpunkt des Ereignisses. In der Nacht war niemand unterwegs. Stellt Euch vor, der Regen wäre am Sonntag um 09:30 Uhr gekommen, wo 150 Leute in der Kirche gewesen wären

-          Die Solidarität und Hilfsbereitschaft so vieler Menschen

-          Für das Engagement von so vielen Mitarbeitern, besonders den Bereichsleitern, die in besonderer Weise gefordert sind. Hier ist besonders Herr Pelz zu nennen.

-          Dass wir gegen Elementarschaden versichert sind

In dem Sinne, seid herzlich gegrüßt

Beachten Sie weitere Angebote aus dem Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden K.d.ö.R.

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