Am 30. Juni 2018 habe ich mit ca. 20 Anderen an einem Werkstatttag mit Pastorin Andrea Schneider in der EFG Remscheid teilgenommen. An dem Tag ging es darum, biblische Texte in „leichte Sprache“ zu übertragen. Meine Erwartungen an den Tag waren sehr hoch und ich erhoffte mir, am Abend sagen zu können „heute habe ich richtig was dazu gelernt“. Um das Rätsel zu lüften: meine Erwartungen wurden sogar übertroffen. Ich habe nicht nur einiges dazu gelernt, ich hatte dabei auch noch richtig viel Spaß.

Zu Beginn des Seminares lernten wir, was leichte Sprache ausmacht. Es handelt sich hierbei nicht um eine Kindersprache, Zielgruppen sind vielmehr erwachsene Menschen mit einer Behinderung oder Lern-Schwierigkeit. Um Texte verständlich formulieren zu können, folgt die leichte Sprache ein paar Regeln: Man formuliert kurze Sätze. Die Sätze haben eine Hauptbedeutung. Man vermeidet Verneinungen. Man verzichtet auf komplizierte Wörter. Komplizierte Worte kann man umschreiben. So kann man den fertigen Text gut verstehen.

Soweit die Theorie! Klingt doch eigentlich ganz leicht. In der Praxis sah das Ganze dann aber doch ein wenig „unleichter“ aus, aber dieser Herausforderung stellten wir uns gerne und mit Freude! In zweier oder dreier Grüppchen setzten wir uns zusammen, um einen Text aus der Bibel in leichte Sprache zu übertragen. Einige Sätze waren schnell umformuliert und aus „wen da dürstet, der komme zu mir und trinke“ wurde: „Habt ihr Durst? Kommt zu mir. Ich gebe euch zu trinken“. Bei anderen Neuformulierungen mussten wir allerdings immer wieder innehalten und noch einmal zurück denken, da sich schon wieder ein Nebensatz eingeschlichen hatte. So kamen wir ganz schön ins Grübeln und nahmen die Wörter und Texte geradezu auseinander. Am Ende kamen wir jedoch alle zu einer guten Lösung. Wie gut, dass es bei dieser Art der Übertragung kein richtig oder falsch gibt!

Beim Austausch in der großen Gruppe stellten viele von uns – ich auch – fest, dass diese Art der intensiven Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes einen riesengroßen Gewinn bringt. Nicht nur dadurch, dass Menschen mit Lern-Schwierigkeiten der Zugang zu biblischen Texten ermöglicht wird, sondern auch dadurch, dass wir beim Übertragen einen neuen und leichten Zugang zu Gottes Wort bekommen. Texte, die wir selbst umformulierten oder uns gegen Ende des Seminares von den anderen Teilnehmenden vorgelesen wurden, berührten in ihrer Leichtigkeit unsere Herzen und halfen uns, Texte neu oder anders zu verstehen.

Dazu möchte ich gerne ein Beispiel aus Johannes 7,38f. geben, das nach Luther so klingt:

„Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“

Und in leichter Sprache:
„Gott gibt euch seinen guten Geist.
Freude, Kraft und Mut kommen in euer Herz.
Euer Herz wird voll davon.
Es fließt über an andere Menschen.
Wie frisches Wasser.
Die Freude breitet sich aus.
Jetzt ist der Geist noch nicht da.
Aber er kommt.“
Ist diese Verheißung nicht wunderbar? Wie groß ist der Wunsch, dass jeder Mensch sie verstehen darf!
Vielen Dank für eine wirklich tolle und nachhallende Zeit

Hélena Noß | Referentin für Kinder und Jungschar im Gemeindejugendwerk NRW

 

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